Texte, Töne, Bilder im Kopf
Radio machen ist eine wunderbare Sache. Für eine gute Radiogeschichte braucht man nur ein kleines Aufnahmegerät
in der Hand und einen Notizblock samt Stift in der Tasche, das ist das ganze Arbeitszeug.
Bilder entstehen trotzdem, jede gute Radioreportage erzeugt sie mit Texten und Tönen im Kopf des Hörers.
Bilder von großer Suggestion und Verlockung, weil sich ein jeder die eigenen ausmalt.

Der Mann aus dem Süden. Der Trompeter Pino Minafra und der Sound
des Mezzogiorno.
Pino Minafra gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren des Jazz in Italien - als Trompeter und Flügelhornist, als Gründer und Leiter zahlreicher, oft großformatiger Ensembles, als Festival-Impresario. Und nicht zuletzt als großartiger Verfechter der Tradition der italienischen Banda, der klassischen Blasorchester, die es in nahezu jeder Stadt, jeder Gemeinde gibt und die, besonders in Minafras Heimat Apulien, die nächtlichen Prozessionen der Karwoche mit ihren Trauermärschen begleiten. Zu anderen Zeiten schmettern sie mit Verve das Repertoire der italienischen Oper. MediaStoria hat Pino Minafra zuhause, in der Nähe von Bari, besucht und für die Sendung JazzFacts des Deutschlandfunks ein langes Gespräch mit ihm geführt.
Aus rechtlichen Gründen hier nur einige (Wort)Ausschnitte aus dieser Sendung .....
 

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Pino Minafra 1
© Raffaele Puce

Pino Minafra 2

Angefangen hat alles mit dieser CD aus den 199oer Jahren. Damals moderierte ich regelmäßig die Sendung Mikado in hr2-kultur. Die Musikredaktion stellte mir eines Tages La Banda ins Programm ..... und ich war vom ersten Titel an restlos begeistert: Ich würde die Banda Città Ruvo di Puglia und ihren Chef Pino Minafra unbedingt kennenlernen müssen. Wo lag dieses Ruvo eigentlich genau? Auf einer alten Straßenkarte mit Register (ja, das war noch vor der Zeit von Navi und Google Maps!) konnte ich es in der Nähe von Bari orten. Und dann kam wie immer eines zum anderen und die spontane Idee geriet allmählich in den Hintergrund, bis ich sehr viel später endlich Kontakt mit Pino Minafra aufnahm und ihn ein erstes Mal besuchte. Inzwischen besaß ich ein knappes Dutzend CDs von ihm und seinen diversen Ensembles - dem Italia Instabile Orchestra, dem Sud Ensemble, dem MinAfric Orchestra und eben seiner Banda. Minafra war mit seinen Formationen in all diesen Jahren immer wieder weltweit auf Tournee, an den bedeutendsten Spielorten von Berlin bis Paris, von London bis New York, von Tokio bis Peking. Als ich ihn traf, begegnete mir ein Mann ohne Star-Allüren, freundlich, aufgeschlossen, hilfsbereit. Und voller neuer Projekte. So ist im März 2o23 schließlich dieses Porträt eines außergewöhnlichen Musikers und Menschen entstanden.

Pino Minafra 3
© Raffaele Puce
Pino Minafra in voller Fahrt, mit dem Italia Instabile Orchestra in Japan. Man muss ihn einmal mit seinen irrwitzigen Scat-Improvisationen erlebt haben, die er gerne mit dem Megafon verstärkt, grandios und ironisch zugleich. Auf Youtube kann man übrigens einen Konzertausschnitt sehen, in dem Minafra seine große Banda plus Jazz dirigiert - im wilden Hin und Her und Auf und Ab vor seinen Musikern, ein Zirkusdirektor in der Manege. Das ist natürlich eine wunderhübsche Show-Einlage für's Publikum, witzig und selbstironisch. Und dann liefert er sich auch noch ein schräges Duell mit der Tuba von Michel Godard .... herrlich amüsant: https://www.youtube.com/watch?v=DTG-vnFjnUE

Pino Minafra 4
© L.Scaraggi
Terrone, sagt Pino Minafra, ist das verächtliche Wort der Norditaliener für die Menschen aus dem Süden, und Terronia für Süditalien als Ganzes. Für sich selbst verkehrt er dieses Vorurteil in Stolz: der italienische Süden sei das Kind der Magna Graecia, sagt er, des antiken Griechenlands, mit dem das abendländische Denken begann und die Demokratie. Die großen Zivilisationen seien alle im Süden entstanden. Also habe er musikalisch das Universum des Südens erkundet, daher der CD-Titel "Terronia", daher "Maccaroni". Identität ist der Schlüsselbegriff für ihn: wer du bist und woher du kommst, nur darum geht es. Das Titelstück dieser CD ist ebenfalls bei YouTube abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=xzhoqaSXkeg

Außerdem bei YouTube: "Maccaroni" und Minafras "Minafric Orchestra" .....
https://www.youtube.com/watch?v=wIzLsg0L82Y


Pino Minafra 5
© Raffaele Puce
Pino Minafras jüngstes Jazzprojekt, das Minafric Orchestra, er selbst ist der Zweite von rechts, stehend. Wie schon erwähnt, gibt es von dieser Formation ebenfalls einen etwas älteren Konzertmitschnitt vom Festival "Bari in Jazz". Hervorragend! Live at its best!
https://www.youtube.com/watch?v=wIzLsg0L82Y


Pino Minafra 6
© A. Mela
Hier die komplette Musikliste der in den JazzFacts vorgestellten Stücke von und mit Pino Minafra

Gianluigi Trovesi (comp.) "Roccelanea"
CD Margherita's Miniatures, CUT 23
Margherita Porfido (Cembalo), Pino Minafra (tp)
DiG Digressione Music srl / DCTT 125 (2o22)

Livio Minafra (comp.) "Maccaroni"
CD Pino Minafra Terronia, CUT 2
Pino Minafra (Ltg. & tp) & Sud Ensemble
enja ENJ-9480 2 (2oo5) / LC o3126

Giuseppe Verdi (comp.) "La donna è mobile" aus "Rigoletto
CD La Banda
Banda Città Ruvo di Puglia (CD 1), CUT 3
enja ENJ-9326 22 / LC 3126

Nino Rota (comp.) " Sacra Romana Rota" (arr. Bruno Tommaso)
CD Banda and Jazz
Banda Città Ruvo di Puglia (CD 2), CUT 4.4
enja ENJ-9326 22 / / LC 3126

Michel Godard (comp.) "Ciaconna"
CD Michel Godard "Castel del Monte - D'ali e d'oro"
CUT 1 / enja ENJ-9362 2 / LC o3126

Livio Minafra (comp.) "MinAfric"
CD Pino Minafra MinAfric Orchestra, CUT 1
Pino Minafra (Arr., Ltg. tp, flh.)
Puglia Sounds Sud o14 (2o15)

Mongezi Feza (comp.) "You ain't gonna know me 'cause you think you know me"
CD MinAfric Orchestra "For Mandela", mit Louis Moholo-Moholo, Keith und Julie Tippett , CUT 1o
Terra Gialla / Sudmusic Sud o18 (live Münster Jazz Festival 2o15)