Texte, Töne, Bilder im Kopf
Radio machen ist eine wunderbare Sache. Für eine gute Radiogeschichte braucht man nur ein kleines Aufnahmegerät
in der Hand und einen Notizblock samt Stift in der Tasche, das ist das ganze Arbeitszeug.
Bilder entstehen trotzdem, jede gute Radioreportage erzeugt sie mit Texten und Tönen im Kopf des Hörers.
Bilder von großer Suggestion und Verlockung, weil sich ein jeder die eigenen ausmalt.

Letztes Rendezvous mit dem Kaiser.
Alle Jahre wieder: die historische Nachstellung der Schlacht von Waterloo.
La Butte de Lion, der Löwenhügel, ist das Wahrzeichen von Waterloo. Wilhelm I. von Oranien, König der Niederlande, hat 1826 den Erdhügel mit dem bronzenen Löwen errichten lassen - zur Erinnerung an den Sieg der alliierten Truppen über die Armee Napoleons und an seinen Sohn, den Kronprinz von Oranien, der in der Schlacht von Waterloo schwer verwundet worden war. Eine schmale, steile Treppe führt mit 226 Stufen hügelauf, von oben hat man einen Feldherrenblick über wellige Felder, Wiesen und Baumgruppen. Tausende Soldaten der französischen und alliierten Armeen verloren am 18.Juni 1815 in Waterloo ihr Leben, es war Napoleons letzte Schlacht, nach der Niederlage verbannten ihn die Engländer nach St. Helena, eine einsame Felseninsel im Südatlantik. Jedes Jahr, Ende Juni / Anfang Juli, findet auf historischem Gelände die Nachstellung der Schlacht statt, ein großes Spektakel mit Freiwilligen aus zahlreichen europäischen Ländern. MediaStoria war dabei und hat ein letztes Interview mit dem Kaiser der Franzosen geführt .....
 

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Aliano 2


Aliano 2

Noch nicht ganz in Reih‘ und Glied: die preussische Fußstruppe feilt hier am zackigen Auftritt. Schon Tage vor dem großen Schlachten-Spektakel
reisen die Teilnehmer oft von weither an, ihre historischen Uniformen im Gepäck, und kampieren unter einfachsten Bedingungen - ganz so wie
Anno 1815.


Aliano 5   Aliano 5

Drei bärtige Herren und eine Dame sind aus Tschechien nach Waterloo gekommen. Bei anderen Gelegenheiten tragen sie die Uniformen des österreichischen Landsturms. Österreich war aber in Waterloo nicht mit von der Partie, deswegen trägt man heute preussische Mützen. Österreich? Preussen? Hauptsache dabei!
 
Strenge Kontrolle vor dem Zelt des Kaisers: seine treue Garde untersucht einen jeden, der Zulass begehrt - schon gar Zivilisten in Gehrock und Zylinder. Jeder und jede ist in diesen Tagen historisch getreu kostümiert ...

Aliano 12

Und hier ist er höchstpersönlich, Napoleon Bonaparte, Kaiser der Franzosen ... aber nicht mehr lange. Noch erteilt er seinem Ordonnanz-Offizier
letzte Befehle für Strategie und Taktik des Tages. Im wirklichen Leben heißt unser Napoleon übrigens Jean-Gérald Larcin und arbeitet im
Krankenhaus im nahen Charleroi. Den Kaiser gibt er bereits seit fünfzehn Jahren, er sieht ihm aber auch zum Verwechseln ähnlich!


Aliano 11   Sehr fesch, die Herren Offiziere damals mit ihren bunten Rockschössen, den Stulpenstiefeln und den schweren Schleppsäbeln an der Seite. Am Abend
nach der Schlacht lagen sie ohne Rangordnung auf den Feldern von Waterloo, Freund und Feind, einfacher Soldat und bunter Offizier - gleichermaßen tot.
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Das Biwak der Schotten und das Feldlager an der Ferme de Hougoumont - der Abend war lang und kurz die Nacht. Der Vorabend der Nachstellung
der Schlacht von Waterloo ist die Stunde der großen Verbrüderung aller Parteien. Nicht nur der Regen floß in Strömen, hier und da auch der
Alkohol ...


Aliano 12

Die Truppen nehmen ihre Stellungen ein, in Kürze werden sie aufeinander losgehen ... Signale schmettern, Salven knattern, Mörser wummern,
Kanonen donnern, die abendlichen Wiesen von Hougoumont füllen sich mit Pulverdampf. Nur fällt heute kein einziger scharfer Schuss und kein
ernstgemeinter Säbelhieb.


Aliano 12

Die Schlacht von Waterloo 1815 ist wieder geschlagen, über den Wiesen wabert noch der Pulverdampf und hüllt die Butte de Lion in abendliches
Rauchblau. Adieu, historisches Schauspiel, im nächsten Sommer geht es von vorne los  - und zwar am 22.+23. Juni 2024. Im Jahr darauf, also 2o25, stehen der 28.+29. Juni im Kalender!


© Alle Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Mediastoria / Manfred E. Schuchmann

Hier noch einige nützliche Hinweise und Adressen .....

Das ganze Jahr über ein lohnender Besuch, auch wenn die Schlacht gerade nicht geschlagen wird: die Domaine de la Bataille de Waterloo 1815 - ganzjährig geöffnet, an allen sieben Wochentagen. Im kleinen Bild links geht der Blick vom Löwenhügel hinunter auf das riesige, runde Schlachtenpanorama von 1912. Unmittelbar daran angeschlossen (und fast durchweg unterirdisch): das hervorragende moderne Museum. Informationen unter:
www.waterloo1815.be (frz., niederl. + engl.)
visitwallonia.de/de/content/das-memorial-1815-ein-interpretationszentrum-zur-schlacht-von- waterloo?cookie_lang=de
(dt. Version)

Adresse: Route du Lion 1815, B-1420 Braine-l‘Alleud / Tel. +32 2 385 19 12 / info@waterloo1815.be
Die 226 Stufen hinauf auf die Butte de Lion, den Löwenhügel, gehen erheblich in die Beine und auf die Pumpe. Der Blick von oben lohnt aber auf jeden Fall die Mühe. Tafeln geben die genaue Aufstellung der Armeen und ihrer Abteilungen während der Schlacht von 1815 wieder.
Unter visitwallonia.de finden sich zahlreiche Tipps, Empfehlungen und Anregungen zu Zielen, Veranstaltungen und Besuchen im gesamten französischsprachigen Teil Belgiens, auch zu besonderen Unterkünften und gastronomischen Attraktionen. Sehr empfehlenswert zum Stöbern.